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Trächtigkeit

Trächtigkeit

Beitragvon Shiva » So 13. Jul 2008, 18:56

Feststellung der Trächtigkeit
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Die Befruchtung einer Eizelle durch eine Samenzelle führt zur Bildung einer Zygote, die sich bei ihrer Wanderung in die Gebärmutter mehrmals teilt und sich dann in die Uterusschleimhaut einnistet. Diese Einnistung findet bei der Hündin um Tag siebzehn nach dem Eisprung statt. Nun bilden sich kleine Fruchtblasen, die sich erst ab der dritten Woche (frühestens am 18. Tag) durch eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) nachweisen lassen.

Von der dritten Woche an lässt sich bei einer genauen Untersuchung manchmal ein ampullenartiger Uterus ertasten, sofern die Hündin nicht zu dick und die Bauchdecke entspannt ist.

Zwischen der fünften und der sechsten Woche der Tragzeit erreicht der Durchmesser der Gebärmutter den einer Darmschlinge. In diesem Zeitraum ist es daher schwierig, durch diese Methode einen trächtigen Uterus von einer Darmschlinge mit hartem Stuhl zu unterscheiden.

Die Röntgenuntersuchung liefert erst zum Ende der Trächtigkeit brauchbare Ergebnisse, wenn das Skelett der Föten kalzifiziert ist und keine Strahlen mehr durchlässt (ab dem 45. Tag).

Andere Techniken wie Beobachtung von Verhaltensänderungen, Abhören der fötalen Herztöne (bei einigen Hündinnen in den letzten beiden Wochen festzustellen), Überprüfen des Blutes auf Veränderungen (Gerinnungsgeschwindigkeit, Hämatokritwert) oder Überprüfung der Entwicklung des Gesäuges setzen zu spät an oder sind zu ungenau, um sie zur zuverlässigen Feststellung der Trächtigkeit zu verwenden.

Die früheste Diagnose einer Trächtigkeit ist gegenwärtig also durch die Ultraschalluntersuchung möglich.


Verlauf der Trächtigkeit
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Embryonalhüllen beim Hund
1. Chorion villosum
2. Zottenglatze (Chorion laeve)
3. Urharnsack (Allantois)
4. Schafshaut (Amnion)
5. Nabelbläschen
6. Rand der Plazenta
7. Gürtelplazenta, Typ Plazenta endotheliochorialis.




Die Tragzeit der Hündin beträgt 58 bis 68 Tage (im Durchschnitt 63 Tage). Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Hündinnen hängen dabei mit der Differenz zwischen dem Datum des Eisprungs und dem Datum der tatsächlichen Befruchtung zusammen. Die Samenzellen können im Durchschnitt vier Tage im Genitaltrakt der Hündin überleben, bis die Eizellen befruchtungsfähig sind. Nach der Befruchtung werden die Eizellen zu Embryonen, die aus den Eileitern in den Uterus wandern und sich gleichmäßig in den beiden Gebärmutterhörnern verteilen. Die Einnistung, d. h. das Festsetzen des Embryos in der Gebärmutterschleimhaut, findet erst um Tag 17 nach der Befruchtung statt; daher kann die Trächtigkeit vor diesem Datum nicht per Ultraschall festgestellt werden.

Der Übergang vom Embryo zum Fötus und das Wachstum des Fötus werden durch die Ernährung über die Plazenta und die Bildung von Fruchthüllen (Amnion und Allantois) sichergestellt, die den Fötus umhüllen und schützen. Eine durch das Wachstum der Föten bedingte Umfangsvermehrung des Abdomens der Mutterhündin wird erst in der zweiten Hälfte der Trächtigkeit sichtbar.

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Gründe für die Unfruchtbarkeit bei der Hündin
Die Fruchtbarkeitsrate einer Population erreicht bei keiner Rasse jemals 100%. Der maximale Wert liegt selbst in der Hundezucht, wo die Fortpflanzungsbedingungen ja optimal sind, bei höchstens 85%. Es wird sogar empfohlen, bei jeder Zuchthündin alle zwei Jahre mindestens eine Hitzeperiode ohne Deckakt verstreichen zu lassen.

Erst wenn eine Hündin also nach zwei aufeinander folgenden Läufigkeiten nicht trägt, kann man eine Unfruchtbarkeit vermuten. Der Tierarzt kann jedoch auch ohne so lange Wartezeiten bereits nach dem ersten Fehlschlag versuchen, der Ursache auf den Grund zu gehen.

Zunächst wird die Unfruchtbarkeit des Rüden ausgeschlossen, was problemlos über Spermaanalysen (mehrere Spermiogramme) und die Überprüfung seiner letzten Zuchtergebnisse geschieht. Wenn die objektiven Ergebnisse für eine Unfruchtbarkeit des Rüdens sprechen, gibt es normalerweise wenig Chancen auf Heilung, und es sollte besser auf einen anderen Rüden zurückgegriffen werden.

Nachdem diese Möglichkeit ausgeschlossen wurde, bleiben noch viele mögliche Ursachen für eine Unfruchtbarkeit der Hündin. Eine detaillierte Anamnese (Überprüfung vergangener Zyklen, ggf. der durchgeführten Behandlungen, v. a. hormoneller Art, Datum des Deckaktes, Paarungsverlauf, Art der Absonderungen aus der Scheide etc.) hilft dabei, die Ursache für die Unfruchtbarkeit festzustellen und ob das Problem bei der Eizellenproduktion, bei der Befruchtung, bei der Einnistung oder beim Austragen liegt.


Anomalien bei der Eizellenproduktion
Bei der Eizellenproduktion kann es zu folgenden Anomalien kommen:

- fehlende oder verspätete Entwicklung der Oozyten im Eierstock (Probleme bei der Reifung der Oozyten).

Dieser Zustand äußert sich in fehlenden, stillen oder unregelmäßigen Läufigkeiten;

- Blockierung der Ovulation, äußert sich manchmal in Nymphomanie (ständige oder verlängerte Läufigkeit);

- Anomalien durch eine Infektion (besonders durch z.B. Viruserkrankungen, Herpes) oder seltener durch Ernährungsfehler (Defizite beim Energiehaushalt);

- Verbleiben der Gelbkörper aus dem vorigen Zyklus im Eierstock mit fortgesetzter Absonderung von Progesteron, was die Entwicklung der nächsten Follikel verhindert (tritt bei Hündinnen selten auf);

- Störungen der Eizellenproduktion nach Hormonbehandlungen (mit Anabolika, Progesteron, Kortikoiden usw.) oder zu intensives Bewegungstraining (übermäßige Produktion von männlichen Hormonen bei Sporthündinnen);

- Anomalien aufgrund einer hormonellen Funktionsstörung (Störung der Schilddrüse oder der Nebennieren, Fettleibigkeit).

Da der Ursprung aller dieser Probleme beim Hund im Grunde genommen hormoneller Natur ist, muss der Tierarzt immer auch den Hormonspiegel untersuchen. Es liegt auf der Hand, dass die Behandlung dieser Fruchtbarkeitsstörungen sich jeweils nach ihrer Ursache richtet.

Die Behandlung dieser Zustände erfolgt über Hormone; entweder werden die entsprechenden Drüsen zur Hormonbildung angeregt, oder es wird ein Ersatz für die unzureichend produzierten Hormone verabreicht. Der Tierarzt geht dabei immer mit Vorsicht zu Werke, denn es besteht das Risiko, dass durch Hormongaben die Drüsen, von denen sie normalerweise produziert werden, vorübergehend oder endgültig ihre Funktion aufgeben. So kann beispielsweise die Verabreichung von Gelbkörperhormonen an eine geschlechtsunreife Hündin zum Herauszögern der ersten Läufigkeit wachstumshemmend wirken und zu einer vorübergehenden oder vollständigen Blockade der Zyklen führen.

Es ist also wichtig, Hormone niemals vorbeugend oder zur Behandlung einzusetzen, ohne dass vorher eine genaue Diagnose der Unfruchtbarkeitsursache erstellt wurde, und auch dann nur nach dem Fehlschlagen aller anderen Behandlungsmöglichkeiten darauf zurückzugreifen.


Anomalien bei der Befruchtung
Die meisten Fehlschläge bei der Befruchtung lassen sich auf einen ungünstigen Deck- oder Besamungstermin zurückführen. Wenn diese Ursache ausgeschlossen werden kann, erforscht der Tierarzt mögliche Hindernisse für die Vereinigung der Keimzellen. Eine Infektion der Vagina, der Gebärmutter, der Harnröhre oder auch der Prostata kann zur Zerstörung der Samenzellen führen oder ihr Vorankommen vor der eigentlichen Befruchtung behindern. Auch ein Verschluss der Eileiter nach einer Salpingitis (Eileiterentzündung) kann den Weg der Eizellen blockieren.


Anomalien bei der Einnistung
Nach der Befruchtung teilen sich die Eizellen mehrmals, verbleiben aber zunächst noch frei beweglich in den Gebärmutterhörnern, bis sie sich schließlich in der Gebärmutterschleimhaut einnisten. Die Schleimhaut muss auf die Einnistung vorbereitet sein, um die Plazenten ausbilden und damit die Ernährung der Embryonen sicherstellen zu können.

Zahlreiche Faktoren (Infektionen, glandulär-zystische Hyperplasie usw.) können diese Phase stören. Auch kann bei Hündinnen mit dicht aufeinander folgenden Läufigkeiten der Uterus nicht schnell genug in seine Ausgangsform zurückkehren und kann daher auch keine Embryonen aufnehmen.

Bestimmte Nahrungsdefizite (Mangel an Vitamin A/E) können sich ebenfalls ungünstig auf die Einnistungsphase auswirken, zeigen sich in der Regel jedoch schon früher durch andere deutliche Mangelerscheinungen.


Anomalien beim Austragen
Die ersten Entwicklungtage der Fruchtanlagen werden als Embryogenese bezeichnet, während der sich die unterschiedlichen Gewebearten ausbilden. In dieser Zeit sind die Föten also besonders anfällig für alle Krankheiten oder Vergiftungen der Mutter.

Um das Risiko des Absterbens der Föten (Resorption der Embryonen, Fehlgeburt) oder Missbildungen (Teratogenese) zu begrenzen, wird empfohlen, in den ersten 20 Tagen der Trächtigkeit auf alle Medikamentengaben zu verzichten.

Auch zahlreiche andere Ursachen können der Grund für einen Abbruch der Trächtigkeit sein:

- genetische Unverträglichkeit der Eltern, wenn beide einen rezessiven, letalen Erbfehler haben, mit dem homozygote (reinerbige) Embryonen nicht lebensfähig sind;

- bestimmte Chromosomenanomalien;

- zahlreiche Keime, die wahrscheinlich zu Fehlgeburten oder Missbildungen führen:

- Viren: Herpes, Staupe usw.

- Parasiten: Toxoplasmen, usw.

- Bakterien: Salmonellen, Pasteurellen usw.

- einige darunter können epizootischen Charakter haben, z.B. die Erreger der Hundebrucellose in den USA;

- jede physische oder psychische Verletzung kann zu vollständigen oder partiellen Fehlgeburten (Abstoßung eines Teils des Wurfes und Austragen der übrigen Welpen) führen;

- zu frühe Rückbildung der Gelbkörper (Gelbkörperinsuffizienz), der das für die Hündin während der gesamten Tragzeit unverzichtbare Progesteron abgibt.
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