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Pathologie der Fortpflanzung

Pathologie der Fortpflanzung

Beitragvon Shiva » So 13. Jul 2008, 18:31

Scheinträchtigkeit
Diese Zustände werden nicht als pathologisch angesehen. Häufig bildet sich das Gesäuge nach einigen Wochen ohne Behandlung spontan zurück ohne Spätfolgen zu hinterlassen. Im Wolfsrudel bekommt zwar nur die Alpha-Hündin Nachwuchs, die anderen Wölfinnen aber können scheinträchtig werden um die Nachzucht der Rudelführerin mit aufzuziehen und diese somit zu entlasten.

Im Gegensatz zu allen anderen Haussäugetieren verlaufen die Hormonkurven bei tragenden und nicht-tragenden Hündinnen nahezu identisch. Daher kann der Progesteronspiegel auch nur zur Kontrolle eines erfolgten Eisprungs jedoch nicht zur Trächtigkeitsdiagnostik herangezogen werden.

Diese Tatsache erschwert die Unterscheidung zwischen einer Trächtigkeit und einer Scheinträchtigkeit. Anhand von Verhaltensänderungen (wie die Tendenz zum Zusammentragen verschiedener Gegenstände, um einen Wurfplatz zu bauen), Gewichtszunahme oder selbst auf das Ansteigen der Milch lässt sich unmöglich eine Unterscheidung festmachen.

Die genaue Ursache dieser Störungen, die oft in jedem Zyklus erneut auftreten, ist nicht bekannt.

Zuchthündinnen sind seltener betroffen als Hündinnen von Privatpersonen; bei diesen Tiere ist häufig eine extreme Unterwürfigkeit und Fixierung auf ihren Eigentümer festzustellen. Die Scheinträchtigkeit ist jedoch anscheinend nicht einfach der Ausdruck eines unerfüllten Trächtigkeitswunsches, da eine tatsächliche Schwangerschaft das Wiederkehren der Störung nicht beeinflusst.

Die Behandlung des Milchflusses aufgrund von Scheinträchtigkeit besteht in der Verabreichung von Antiprolaktin bei gleichzeitiger Verringerung der Trinkwassermenge und dem Auftragen von adstringierender Salbe auf das Gesäuge.

Beim Auftragen darf der Hundebesitzer das Gesäuge nicht massieren und muss auch versuchen, die Hündin am Lecken zu hindern (beispielsweise durch Anlegen eines Halskragens), um den Teufelskreis der Stimulation zur Milchproduktion zu unterbrechen.

Die Ovariektomie (Entfernung der Eierstöcke) bleibt jedoch die einzige Möglichkeit, Rückfälle endgültig zu vermeiden.


Metritis
Eine Metritis ist eine Entzündung der Gebärmutter, die in der Regel nur zu einem bestimmten Zeitpunkt im Sexualzyklus auftritt. Der Uterus entzündet sich am häufigsten durch den Aufstieg von Krankheitserregern durch den geöffneten Gebärmutterhals, entweder im Östrus oder nach dem Werfen.

Bestimmte Formen der Metritis treten innerhalb von ein bis zwei Monaten nach einer Hormonbehandlung mit Östrogenen zur Verhinderung der Einnistung nach einem unerwünschten Deckakt auf. Deshalb, und da es heute neuere und nebenwirkungsarme Behandlungsmethoden gibt, ist vom Trächtigkeitsabbruch mit Östrogenen dringend abzuraten.

Durch das Schließen des Gebärmutterhalses und dem Anstieg des Progesterongehaltes im Blut (Metöstrus) kann sich die Metritis durch eine Eiteransammlung im Uterus verschlimmern; dieser Zustand wird „Pyometra" (Gebärmuttervereiterung) genannt.

Die Laparoskopie bei den domestizierten Fleischfressern
Die Laparoskopie oder Bauchhöhlenspiegelung ist ihrer Definition nach die Erforschung der Bauchhöhle durch ein Endoskop.
Lange Zeit war das Einsatzgebiet für die Laparoskopie beschränkt auf die einfache Beobachtung der Eingeweide im Bauchraum. Dann wurden zunächst Organbiopsien möglich, schließlich auch chirurgische Eingriffe. Heute werden chirurgische Eingriffe durch Endoskopie beim Menschen routinemäßig vorgenommen; eine der häufigsten Indikationen ist dabei die Entfernung der Gallenblase, die Cholezystektomie. Die Tierärzte haben weitgehend vom technologischen Fortschritt bei den Endoskopieinstrumenten profitiert, was zu allererst der Chirurgie am Fortpflanzungsapparat des Hundes zugute kam.
Die Ovariektomie bei der Hündin, die Vasektomie beim Rüden oder auch die Entfernung eines verlagerten Hodens im Bauchraum sind alle durch die Laparoskopie möglich. Die Abteilung für Tierzucht der Staatlichen Tierärtzlichen Hochschule in Alfort hat Operationstechniken entwickelt, die mit einem einzigen Zugang auskommen; dadurch rückt die Laparoskopie als Standardeingriff bei den domestizierten Fleischfressern erstmals in greifbare Nähe.
Prof. Nicolas Nudelmann
Abteilung für Tierzucht
Staatliche Tierärtzliche Hochschule von Alfort, Frankreich

Pyometra
Bei der Pyometra (Gebärmuttervereiterung) muss zwischen einer offenen und einer geschlossenen Form unterschieden werden. Die Symptome können für den Besitzer schwer erkennbar sein, solange kein übel riechender Ausfluss aus der Vulva zu bemerken ist. Dies sind die gefährlichsten Fälle, da der Eiter aus drei Hauptgründen nicht von selbst abfließt:

- Der Gebärmutterhals ist geschlossen;

- der Progesterongehalt im Blut sorgt wie bei einer Trächtigkeit für die Erweiterung der Gebärmutter;

- die horizontale Lage der Gebärmutterhörner erschwert das spontane Abfließen.

Klinisch gesehen, führen solche Gebärmuttervereiterungen häufig zu Lethargie, verbunden mit übermäßigem Durst und dem vermehrten Absetzen von Urin (Polyurie/ Polydipsie). Die Erkrankung kann durch die abgesonderten Giftstoffe auch auf die Nieren übergreifen. Der Tierarzt kann diese Vermutung durch Abtasten des Bauches, einen Scheidenabstrich, Blutanalysen, Röntgen- oder Ultraschalluntersuchungen überprüfen.

Es kann sich eine beträchtliche Menge Eiter ansammeln (mehrere Liter!).

Die medizinische Behandlung wird bestimmt durch die Form (offen oder geschlossen) und den Schweregrad der Erkrankung. Bei einer geringgradigen offenen Pyometra kann ein Behandlungsversuch mit einer Kombination aus bestimmten Antibiotika und Hormonen (Prostaglandin) erfolgen, die die Kontraktionsfähigkeit des Uterus erhöhen und die Öffnung des Gebärmutterhalses anregen, um das Abfließen zu erleichtern. In vielen Fällen ist eine chirurgische

Behandlung (Entfernung des Uterus mitsamt dem enthaltenen Eiter) in der Regel angezeigt, um eine rasche und endgültige Ausheilung sicherzustellen.


Tumore an Eierstöcken und Hoden
Im medizinischen Sinne ist ein Tumor einfach eine Gewebeansammlung. Dies sagt noch nichts über die Art des Tumors aus; er kann gutartig oder bösartig (Krebsgeschwür) sein. Der Begriff schließt jedoch Zysten und Abszesse aus, die Flüssigkeit oder Eiter enthalten.

Krebstumore an den Eierstöcken sind bei der Hündin zwar selten (etwa 1% der Krebsarten beim Hund), aber schwieriger zu diagnostizieren als Hodentumore, die meistens von außen zu erkennen sind.

Die meisten Eierstocktumore sondern Hormone ab, die den Sexualzyklus stören und zu symmetrischem Haarausfall auf beiden Flanken oder Keulen führen können. Röntgen- oder Ultraschalluntersuchungen lassen solche Tumore oft zu spät erkennen, da sie zunächst von der Hülle des Eierstocks verborgen werden.

Sind keine Metastasen im Bauchfell festzustellen, ist die Ovariektomie allen anderen Tumorbehandlungen vorzuziehen.

Hodentumore beim Rüden sind ebenfalls eher selten. Verdacht auf einen Hodentumor besteht auch ohne Schmerzen oder Anschwellen der Hoden bei einem älteren Hund mit hormonellen Störungen (Verweiblichung), einer Hypertrophie der Prostata, Unfruchtbarkeit oder Haarausfall an bestimmten Stellen. Das Verbleiben eines oder beider Hoden im Bauchraum macht ältere Hunde besonders anfällig für diese Art von Tumoren.


Monorchidismus und Kryptorchimus
Zu Beginn der Entwicklung des Fötus befinden sich Hoden und Eierstöcke in derselben Position im Bauch, hinter den Nieren. Im Gegensatz zu den Eierstöcken, die in dieser Position verbleiben, wandern die Hoden normalerweise unter dem Einfluss von Hormonen und die Verkürzung eines Leitbandes (Gubernaculum testis) in das Skrotum (Hodensack); dabei passieren sie den Leistenring. Die externe Lage der Hoden ist nach dem Erreichen der Geschlechtsreife für die Produktion von Samenzellen notwendig, die eine niedrigere Temperatur brauchen als die Körpertemperatur.

Diese Wanderung muss jedoch in den ersten Wochen nach der Geburt stattfinden, da sich sonst der Leistenring zu stark verengt, um die Hoden durchzulassen.

Die daraus resultierende Ektopie (Verlagerung) der Hoden wird als Monorchidismus bezeichnet, wenn nur ein Hoden betroffen ist, bzw. als Kryptorchismus (Hodenhochstand), wenn beide Hoden in der Bauchhöhle verbleiben. So führt ein Hodenhochstand in der Bauchhöhle zu einer doppelten Hodenverlagerung; der Tierarzt kann sie eventuell in der Bauchhöhle ertasten oder per Ultraschall nachweisen.

Die endgültige Lage im Hodensack nehmen die Hoden jedoch erst später ein (im Durchschnitt mit 6 Monaten); bis zu diesem Zeitpunkt können sie vorübergehend wieder in die Leistengegend rutschen, wenn der Welpe beispielsweise extremer Kälte ausgesetzt ist oder sich auf den Rücken dreht. Der Tierarzt muss den Welpen bei der ersten Untersuchung nach dem Kauf systematisch auf diese Anomalie hin untersuchen, um frühzeitig eine Verdachtsbescheinigung ausstellen zu können, falls die Anomalie auf dem Kaufbeleg nicht aufgeführt wird.

Die medikamentöse Behandlung zur Anregung der Hodenwanderung führen in der Regel zu enttäuschenden Ergebnissen, besonders wenn mit der Behandlung zu spät begonnen wird (nach der sechsten Woche).

Die Hodenverlagerung ist beim Hund so häufig anzutreffen, dass sie sogar in die Liste der so genannten „allgemeinen Fehler" aufgenommen wurde, die beispielsweise in Frankreich zu einer Annullierung des Kaufvertrags führen können, wenn diese Anomalie im Alter von 6 Monaten bescheinigt wird. Obwohl auch Hunde mit nur einem Hoden normal zeugungsfähig sind (im Gegensatz zu den Kryptorchiden), sollten sie nicht in der Zucht eingesetzt werden, da sie diesen Fehler möglicherweise weitervererben und darüber hinaus auch die in Frankreich nötige Rassenanerkennung nicht bestehen.

Um die Gefahr einer Tumorbildung an den verlagerten Hoden zu begrenzen, sollten diese Tiere nach Abschluss des Wachstums kastriert werden.


Infektionskrankheiten
Zahlreiche Infektionskrankheiten, ob von Bakterien oder von Viren hervorgerufen, können einen Einfluss auf die Fortpflanzung ausüben und zu Unfruchtbarkeit, Metritis, Fehlgeburten oder Welpensterblichkeit führen. Der Großteil der bakteriellen Infektionen der Geschlechtsorgane ist nur schwer mit Sicherheit zu diagnostizieren, denn auch wenn Krankheitskeime in entnommenen Proben (Scheiden- oder Vorhautabstrich) problemlos zu isolieren sind, ist es umso schwieriger, ihre Rolle als Auslöser der beobachteten Symptome nachzuweisen. Ihr Vorhandensein könnte auch die Folge einer Verunreinigung der Probe durch Urin, Scheidensekret bei der Hündin oder Prostatasekret beim Rüden sein.

In jedem Fall muss aber jeder übermäßige Ausfluss im Bereich der Vulva oder der Präputialtasche vom Tierarzt untersucht werden, der ihn mit den geeigneten Antiseptika oder Antibiotika behandelt. Antibiotika wirken jedoch nicht bei Virusinfektionen.
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