Aktuelle Zeit: Sa 23. Jun 2018, 23:53

Ernährung und Unfruchtbarkeit

Ernährung und Unfruchtbarkeit

Beitragvon Shiva » So 13. Jul 2008, 18:41

Die Ernährung hat zwar nur einen gewissen Einfluss auf die Fruchtbarkeit, die Wurfstärke und die Anfangszeit der Trächtigkeit bei der Hündin, ist aber ein entscheidender Faktor für die Gesundheit der Welpen am Ende der Tragzeit, den Geburtsverlauf und vor allem beim Säugen.
So konnte beim Hund kein Ernährungsmangel direkt für die Unfruchtbarkeit bei ansonsten gesunden Tieren verantwortlich gemacht werden.

[CENTER]Bild [/CENTER]

Die Technik des „flushing", bei der die Energiezufuhr des weiblichen Tieres über die Nahrung in der Phase vor dem Eisprung erhöht wird, um den Eisprung zu stimulieren, ist bei Nutztieren (Schafen, Rindern) sehr verbreitet; ihre Wirksamkeit konnte beim Hund jedoch nie nachgewiesen werden.


Es wird jedoch empfohlen, in diesem Zeitraum die Ernährung an die hormonellen Veränderungen anzupassen, die für dieses Stadium des Sexualzyklus charakteristisch sind (durch zusätzliche Gaben von Cholesterin, Jod, Vitamin A, Vitamin E, Zink usw.). Kommerzielle Futtermittel enthalten solche Stoffe in der Regel in ausreichender Menge.


Dagegen stellt man bei deutlich zu mageren oder im Gegenteil zu dickleibigen Hündinnen häufig Fruchtbarkeitsstörungen fest. In diesen Fällen muss der Anöstrus für eine Ernährungsumstellung ausgenutzt werden, damit die Hündin vor der Fortpflanzung ein gesundes Gewicht erreicht. In der Praxis gibt man einer mageren Hündin im Monat vor dem Östrus etwa 10% mehr Futter, im entgegengesetzten Fall reduziert man die Futtermenge um 10%, bezogen auf den Energiegehalt (Kalorienanzahl) des Futters.


Energiezufuhr
Auch wenn der Appetit der Hündin ab der dritten Woche der Trächtigkeit häufig steigt, bleiben ihre Futterbedürfnisse in den ersten fünf Wochen relativ stabil, sowohl qualitativ als auch quantitativ. Zu diesem Zeitpunkt wachsen die Föten nur wenig, die Mineralisation ihrer Knochen hat noch nicht begonnen, und sie verdrängen noch nicht viel Platz in der Bauchhöhle der Mutter.

Um die fünfte Woche herum beobachtet man nicht selten eine vorübergehende Appetitlosigkeit was häufig als Bestätigung der Trächtigkeit angesehen wird. Zu diesem Zeitpunkt beginnen die Föten, exponentiell an Gewicht zuzunehmen, und ihr Skelett verknöchert. Dies führt bei der Hündin zu einem progressiven Ansteigen des Protein- und Energiebedarfs (in geringerem Maße auch des Bedarfs an Mineralien), selbst wenn gleichzeitig ihr Appetit und die Magenkapazität eher abnehmen.

Bei der Energiezufuhr über die Nahrung muss also bedacht werden, dass die Hündin gegen Ende der Tragzeit weniger Futter aufnehmen kann; das Futter muss außerdem die Bildung von Glykogenreserven bei den Welpen ermöglichen, ohne eine Fettablagerung im Geburtskanal der Mutter zu begünstigen. Die Nahrung für die Mutter muss am Ende der Tragzeit viele Kohlenhydrate enthalten, damit in der Leber der Welpen Glykogenreserven angelegt werden können und die Welpen bei der Geburt nicht den Gefahren einer Unterzuckerung ausgesetzt sind. Selbst wenn es theoretisch möglich ist, einen Hund mit kohlenhydratfreiem Futter zu ernähren (Kohlenhydrate sind für Fleischfresser nicht unverzichtbar, da ihr Körper sie aus Lipiden oder Proteinen selbst synthetisieren können), hat eine solche Diät im Versuch bei trächtigen Hündinnen zu einer erhöhten Welpensterblichkeit durch Unterzuckerung in den ersten Tagen nach der Geburt geführt.

Insgesamt setzt sich der Energiebedarf der trächtigen Hündin aus ihrem eigenen Bedarf zur Erhaltung ihrer Gesundheit und dem Bedarf der Welpen für deren Wachstum und die Erhaltung ihrer Gesundheit zusammen. So steigt der Energiebedarf bei einer Hündin von mittlerer Größe, beispielsweise einem Cocker Spaniel von 12 kg, bei einer Wurfstärke von sechs Welpen gegen Ende der Tragzeit um etwa 40% an.

Zum Ende der Tragzeit muss das Futter für die Hündin also besonders appetitlich sein (um ihre Appetitlosigkeit auszugleichen), einen hohen Energiegehalt haben und gut verdaulich sein. Es sollte am besten auf mehrer Mahlzeiten über den ganzen Tag verteilt werden. Nur bei zu mageren Hündinnen wird empfohlen, das Futter zur Selbstbedienung stehen zu lassen.

[CENTER]Bild [/CENTER]

Proteinzufuhr
Ein Hundefötus besteht im Durchschnitt zu 82% aus Wasser, zu 13 bis 15% aus Proteinen (das sind etwa 80% der Trockenmasse), zu 1,5% aus Fett und zu etwa 2% aus Mineralien.

Aufgrund des hohen Proteingehalts der Welpen muss während der Trächtigkeit ein Proteindepot angelegt werden und daher die Proteinzufuhr für die Mutter erhöht werden (beim vorigen Beispiel der Cocker Spaniel Hündin wären das etwa 2,8 Mal so viel wie der normale Bedarf zur Erhaltung der Gesundheit).

Auch wenn einige Autoren eine übermäßige Proteinzufuhr über die Mutter für das Auftreten des so genannten Schwimmer-Syndroms bei den Welpen bestimmter anfälliger Rassen verantwortlich machen, ist diese Hypothese bei weitem noch nicht bewiesen. Häufig ist auch nur ein Welpe aus dem ganzen Wurf davon betroffen.

Darüber hinaus wird auch in der vergleichenden Pathologie die Ernährung der Muttersau nicht länger für das Ausgrätschen bei Ferkeln verantwortlich gemacht, das sich mit dem Schwimmer-Syndrom bei Hunden vergleichen lässt.


Mineralien und Vitamine
Besondere Aufmerksamkeit verdient der Vitamin-A-Gehalt des Futters für die Hündin, da dieses Vitamin über die Plazentaschranke diffundiert und so von der Geburt an für einen guten Schutz des Epithelgewebes der Welpen sorgt.

Aus diesem Grund kann das Futter bis zu 10.000 IE/kg Vitamin A enthalten (das Doppelte des empfohlenen Erhaltungsbedarfs). Eine Überdosierung ist jedoch zu vermeiden (ab der vierfachen Menge dieser Dosis), da diese zu Gaumenspalten, Missbildungen an Rute, Ohren und Wirbelsäule, Mumifikation der Föten und zu einer erhöhten Sterblichkeit der neugeborenen Welpen führen kann. Zwischen dem 17. und dem 22. Tag der Tragzeit sind die Föten dafür besonders anfällig.

Eine Überdosierung von Vitamin D kann zu Verkalkungen im Weichteilgewebe, Herzklappenverengung sowie vorzeitiger Schließung der Fontanelle führen.

Übermäßige und vorzeitige Kalziumgaben während der Tragzeit wiederum können zu Eklampsien (Schwangerschaftskrämpfen) vor oder nach der Geburt führen, die für Frühgeburten bzw. versehentliches Erdrücken der Welpen verantwortlich sind.

Zusammenfassend muss für die richtige Ernährung einer trächtigen Hündin Folgendes beachtet werden:

- Der Futterbedarf der Hündin erhöht sich ab der fünften Woche um etwa 10% pro Woche; daher sollte Trockenfutter gegeben werden (selbst zubereitetes oder Dosenfutter enthält mehr als 80% Wasser und nimmt daher im Magen der Hündin, der ja in seiner Ausdehnung eingeschränkt ist, zwei- bis dreimal so viel Platz ein).

- Das Futter muss eine hohe Energiedichte haben (verwertbarer Energiegehalt zwischen 3.800 und 4.300 kcal/kg Futter je nach Korpulenz, Aktivität und Temperament der Hündin) und leicht verdaulich sein; dieses Kriterium lässt sich leicht an der Menge und der Konsistenz der Ausscheidungen überprüfen.

- Der Proteingehalt der Nahrung muss nach oben korrigiert werden (zwischen 25 und 36% Proteine pro kg Futter, je nach Wurfstärke), da die Welpen bei der Geburt in der „Trockenmasse" zu 70 bis 80% aus Eiweiß bestehen.

- Die Mineralisation des Skeletts der Föten am Ende der Tragzeit erfordert eine erhöhte Zufuhr von Knochen bildenden Mineralien (besonders Kalzium und Phosphor). Die Kalziumzufuhr muss auf der Grundlage der Energiedichte des Futters berechnet werden, da die Energiedichte die aufgenommene Futtermenge bestimmt. Es dürfen nicht mehr als 4 Gramm Kalzium pro 1.000 kcal zugesetzt werden, um Eklampsien (Krampfanfälle) durch eine Unterfunktion der Nebenschilddrüsen bei der Geburt oder beim Säugen zu vermeiden. Die erforderlichen Phosphorgaben werden in der Regel so berechnet, dass das Verhältnis von Kalzium und Phosphor (Ca/P) insgesamt zwischen 1,2 und 1,4 liegt, der physiologischen Relation dieser Substanzen in den Knochen.

- Das Gewicht der Hündin darf am Ende der Tragzeit nicht mehr als 120% ihres Normalgewichtes betragen (110% bei den Riesenrassen, 130% bei den Zwergrassen), um die Gefahr einer Verlegung des Geburtskanals mit Fettgewebe zu vermeiden.

Bild
Mengenentwicklung der Nahrungszufuhr der Hündin im Fortpflanzungszyklus
Bild
Benutzeravatar
Shiva
Admin
Admin
 
Beiträge: 1801
Registriert: 03.2008
Wohnort: Oldenburg
Highscores: 1
Geschlecht: weiblich

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron