Aktuelle Zeit: Sa 23. Jun 2018, 23:51

Deckakt oder Besamung

Deckakt oder Besamung

Beitragvon Shiva » So 13. Jul 2008, 19:02

Bestimmung des optimalen Deckzeitpunktes
Im Hinblick auf die lange Befruchtungsfähigkeit der Samenzellen (durchschnittlich vier Tage im weiblichen Genitaltrakt) können die Chancen für eine Befruchtung optimiert werden, indem man die Ei- und Samenzellen zusammenführt, wenn sie „in Hochform" für eine Befruchtung sind. Idealerweise sollte der Deckakt innerhalb von 48 Stunden nach dem Eisprung ausgeführt werden, wenn die Zellen fruchtbar und mehrheitlich fähig sind, den Ort der Vereinigung (die Eileiter) zu erreichen. Die Eizellen bleiben über einen Zeitraum von zwei Tagen nach ihrer Reifung fruchtbar (bei einigen Rassen anscheinend sogar über mehr als vier Tage); auf diese Weise kann es bei Hunden zur mehrfachen Bedeckung auch durch verschiedene Väter kommen.

Die Hauptschwierigkeit besteht also darin, möglichst genau die biologischen Anzeichen für den Eisprung zu beobachten. Um den Zeitpunkt des Eisprungs bei einer läufigen Hündin zu bestimmen, verfügt der Züchter über mehrere Mittel von unterschiedlicher Genauigkeit, die sich gegenseitig ergänzen.

- Das Ende des Proöstrus wird im Allgemeinen durch die klarer werdenden Absonderungen aus der Scheide angezeigt; dies ist jedoch kein zuverlässiges Zeichen für den Eisprung. Bei einigen Rassen, z. B. beim Chow-Chow, bleibt der Ausfluss bis zum Ende des Östrus blutig.

- Eine praktikable Möglichkeit besteht darin, die Hündin systematisch etwa zwölf Tage nach den ersten Blutungen decken zu lassen und zwei Tage später noch einmal. Dabei muss aber sehr genau auf den Zeitpunkt der ersten Blutungen geachtet werden.

Diese Schätzung ist jedoch ungenau, da die Ovulation bei einigen Hündinnen (etwa 20%) außerhalb dieses Zeitraums liegt und daher keine Befruchtung stattfindet oder aber nur wenige Welpen geworfen werden.

- Auch das Akzeptieren des Rüden oder des Testrüden und der Reflex, die Rute zur Seite zu schieben, sind keine zuverlässigen Anzeichen für den Eisprung. So hat man z. B. Hündinnen beobachtet, die sich vom Beginn des Proöstrus an bespringen lassen, obwohl der Eisprung im Extremfall erst dreißig Tage später stattfand.

Viele Hündinnen lassen sich auch während einer Scheinträchtigkeit oder bei Infektionen des Harnsystems bespringen oder wenn sie unter Östrogen absondernden Follikelzysten leiden, was sich durch Nymphomanie bemerkbar macht.

- Durch die Messung der Widerstandskraft des Vaginalschleims mithilfe eines Galvanometers kann die Fließfähigkeit des Scheidensekrets recht präzise bestimmt werden. Dieser Wert fällt normalerweise direkt nach dem Eisprung und zeigt so das Ende der Östrogen-Sättigungsphase und damit die rasche Erneuerung der Vaginalzellen an. Der Diagnosewert, der aus dieser Messung hervorgeht, kommt für die Zucht leider zu spät, da es sinnvoller ist, den Zeitpunkt des Eisprungs vorherzusagen, als ihn hinterher zu bestätigen.

- Teststreifen, die biochemische Veränderungen des Vaginalschleims anzeigen, lassen sich nur schwer tief genug in die Vagina einführen, um eine Verschmutzung durch Urin zu vermeiden. Die Ergebnisse sind in der Regel ungenau (in den drei Tagen vor und nach dem Eisprung ist eine Farbänderung festzustellen) und daher nicht sehr zuverlässig.

- Scheidenabstriche machen nach festgelegten Farbmustern die Veränderungen der Vaginazellen aufgrund von hormonellen Veränderungen sichtbar, besonders unter dem Einfluss von Östrogenen. Diese einfache und ökonomische Technik wird heute routinemäßig von Tierärzten und Züchtern für eine erste Einschätzung der aktuellen Phase des Sexualzyklus angewandt.


Durchführung eines Scheidenabstrichs
Nach einer Untersuchung der Schwellung der Vulva wird der untere Rand der Vulva nach unten gezogen und der Stieltupfer vertikal entlang der hinteren Scheidenwand eingeführt, um ein Eindringen in die Fossa clitoridis zu vermeiden. Sobald der Scheidenboden erreicht ist, wird der Tupfer in eine horizontale Lage gebracht und vorsichtig so weit möglich eingeführt. Durch kreisende Bewegungen werden dann um den Gebärmutterhals herum Sekret und abgeschilferte Zellen entnommen. Der Tierarzt führt diese Untersuchung mithilfe eines speziellen Instruments (Spekulum) durch. So werden Verletzungen der Hündin vermieden und es kann ein korrekter Abstrich entnommen werden. Der Tupfer hat anschließend normalerweise zu Beginn der Läufigkeit ein rotes Aussehen, am Ende des Proöstrus ist er rosa bis farblos, im Fall einer Scheiden- oder Gebärmutterinfektion übel riechend. Das Ende des Stieltupfers wird anschließend vorsichtig auf einem vorher entfetteten Objektträger ausgerollt; dabei wird nicht zweimal über dieselbe Spur gefahren, damit keine Zellklumpen entstehen. Danach wird der Abstrich mit einem Fixierspray fixiert, gefärbt und vom Tierarzt ausgewertet.


Interpretation des Abstrichs
Außer der Einschätzung des Ovulationszeitpunktes lassen sich Scheidenabstriche auch zu anderen Zwecken einsetzen. Besteht der Verdacht auf eine unerwünschte Paarung, kann der Tierarzt nach eventuell vorhandenen Spermien suchen (bis zu sechs Stunden nach dem Koitus). Das Fehlen von Spermien schließt allerdings eine erfolgte Befruchtung nicht völlig aus. Der Tierarzt kann außerdem anhand der festgestellten Zyklusphase das Risiko einer Befruchtung einschätzen. Wenn sich die Hündin beispielsweise noch im Anöstrus oder im frühen Proöstrus befindet, ist die Gefahr einer erfolgten Befruchtung minimal und auf jeden Fall geringer einzuschätzen als die Risiken, die mit vorsorglichen medizinischen Maßnahmen zur Abtreibung verbunden sind. Ein Scheidenabstrich kann auch zur Freigabe bestimmter Behandlungen dienen, die während der sexuell aktiven Phasen nicht durchgeführt werden dürfen, wie z. B. die meisten Hormontherapien. Schließlich können über den Hormongehalt auch bestimmte Ursachen für Unfruchtbarkeit diagnostiziert werden (Läufigkeit ohne Eisprung, anovulatorische Läufigkeit, Gelbkörperinsuffizienz, Scheideninfektion usw.). Durch ihren Einsatzbereich, die leichte und schnelle Ausführung sowie die geringen Kosten leisten Scheidenabstriche gute Dienste bei der Hundezucht. Sie sollten aber nie als einziges Diagnostikum eingesetzt werden. Es empfiehlt sich, nicht nur, wenn die Interpretation eines Abstrichs nicht eindeutig ist, nicht mit dem klinischen Bild übereinstimmt oder hohe Kosten involviert sind, z. B. durch weite Strecken oder künstliche Besamung, dass der Eigentümer diese Analyse mit einem präziseren Mittel vervollständigen läßt: der Bestimmung des Progesterongehaltes im Blut.

- Progesterongehalt im Blut (Anzeichen für den Eisprung) Um den Zeitraum des Eisprungs herum erhöht sich bei der Hündin normalerweise innerhalb einiger Tage die Konzentration von Progesteron im Blutplasma gegenüber seinem Grundwert (Basalwert) von weniger als 2 ng/ml auf einen Wert um 8 ng/ml um den Ovulationszeitpunkt herum. Danach steigen die Werte weiter bis auf mehr als 40ng/ml an und erreichen damit ihr Plateau.

Dieser Anstieg kann mehr oder weniger schnell vonstatten gehen; das ist von Hündin zu Hündin und auch bei derselben Hündin von Zyklus zu Zyklus unterschiedlich. Aus der Tatsache, dass 80% der Hündinnen um den 12. Tag der Läufigkeit ovulieren, lässt sich ableiten, dass ein früherer oder späterer Zeitpunkt des Eisprungs nicht eben selten zu beobachten ist, besonders bei bestimmten dafür anfälligen Rassen (Dobermann, Deutscher Schäferhund). Es wird davon ausgegangen, dass der Eisprung stattfindet, wenn der Progesteronspiegel einen durchschnittlichen Wert von 8 ng/ml erreicht (Variationen sind jedoch je nach der im Labor verwendeten Analysemethode möglich), und dass der Deckakt oder die Besamung daher in den 48 Stunden danach stattfinden sollte. Auf diese Weise wird die Reifung der Oozyten mit einbezogen. Zur Sicherheit sollte der Deckakt zwei Tage später noch einmal wiederholt werden. Auf diese Weise lässt sich der Zeitpunkt des Eisprungs recht präzise bestimmen; das erhöht nicht nur die Erfolgsquote beim Decken und bei der Besamung, sondern auch die Größe des Wurfs. In der Tat werden kleine Würfe allzu häufig auf das Alter der Hündin oder auf Ovulationsstörungen zurückgeführt, obwohl manchmal einfach nur ein falscher Deckzeitpunkt gewählt wurde. Durch eine geschickte Verbindung von Scheidenabstrichen und der Bestimmung des Progesteronspiegels und bei genauer Einhaltung der Vorgehensweise können die Läufigkeitsperioden mit sehr guten und wirtschaftlich rentablen Ergebnissen bestimmt werden. Die Vorteile: Erhöhung der Fruchtbarkeit und der Wurfstärke, weniger vergebliche Reisen zu erfolglosen Bedeckungen usw.


Unfruchtbarkeitsdiagnose beim Weibchen
Bevor Unfruchtbarkeit bei einer Hündin behandelt werden kann, muss natürlich zunächst sehr genau die Ursache dieses Zustands bestimmt werden. So lässt sich z. B. durch die regelmäßige Untersuchung des Progesteronspiegels in Verbindung mit dem Gehalt anderer Hormone im Blut und den Ergebnissen der klinischen Untersuchung feststellen, ob es sich z.B. um einen anovulatorischen Zyklus oder eine Resorption der Embryonen aufgrund einer Rückbildung der Gelbkörper mit damit verbundenem zu niedrigem Progesteronspiegel handelt, und die Behandlung entsprechend darauf abgestimmt werden.


Bestimmung des richtigen Zeitpunkts für einen Kaiserschnitt
Die meisten Rassen mit „eingedrückter" Schnauze (brachycephale Rassen), wie die Bulldogge oder der Mops, haben Schwierigkeiten beim Werfen (Dystokie). Der Tierarzt führt bei diesen Rassen daher häufig einen Kaiserschnitt durch. Wenn dieser zu früh vorgenommen wird, sind die Welpen frühreif und sterben in der Regel wenige Stunden nach der Geburt an Atemstörungen. Wird die Operation zu spät durchgeführt, werden die Föten durch die Wartestellung im Geburtskanal stark belastet, und es kann zu einem Sauerstoffmangel im Gehirn kommen. Die Lebensfähigkeit des Fötus beim Hund hängt in entscheidendem Maße von der Aktivierung des so genannten Antiatelektasefaktors ab, einer oberflächenaktiven Substanz, die bei der Geburt die Aufnahme der Lungentätigkeit steuert. Die Reifung der Lunge ist eine Begleiterscheinung des Abfalls des Progesteronspiegels, der einige Tage vor dem idealen Wurftermin einsetzt. Der Tierarzt kann also durch eine einfache Bestimmung des Progesteronspiegels im Blut der Mutter genau feststellen, ob die Welpen nach einem Kaiserschnitt lebensfähig sind. Diese Technik hat zu einer erheblichen Steigerung der Überlebensrate bei Kaiserschnitt-Welpen geführt, besonders bei der Bulldogge; hier werden immerhin mehr als 90% der Welpen durch Kaiserschnitt geboren.


Gehalt an Luteinisierungshormon (LH) im Blut
Das LH (Luteinisierungshormon, wandelt den Follikel, der die Eizelle ernährt, in den Gelbkörper um, der Progesteron produziert) wird von der Hypophyse ausgeschüttet und bestimmt den Zeitpunkt des Eisprungs. Durch die Feststellung der höchsten Ausschüttung dieses Hormons lässt sich also die bevorstehende Ovulation selbst vorhersagen, nicht nur ihre Auswirkungen (Anhebung des Progesteronspiegels). Außer bei bestimmten Methoden der Unfruchtbarkeitsdiagnose wird dieser Wert jedoch von den Tierärzten noch nicht routinemäßig bestimmt.
Bild
Benutzeravatar
Shiva
Admin
Admin
 
Beiträge: 1801
Registriert: 03.2008
Wohnort: Oldenburg
Highscores: 1
Geschlecht: weiblich

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron