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Spezifische Krankheiten beim älteren Hund

Spezifische Krankheiten beim älteren Hund

Beitragvon Shiva » Mo 14. Jul 2008, 21:42

Dank der Fortschritte in der Tiermedizin ist die Lebenserwartung des Hundes, ebenso wie die der Katze übrigens, in den letzten Jahren deutlich angestiegen, besonders im Zusammenhang mit einer besseren Ernährung und einer allgemeinen Verbesserung der Lebensqualität dieser Tiere. So konnte in der Tiermedizin ein völlig neuer Zweig entstehen: die Geriatrie, die sich speziell mit den Problemen der Altersphase befasst. Die Veränderungen im Zusammenhang mit dem Alterungsprozess des Organismus führt zu einer Reihe von relativ spezifischen Erkrankungen, von denen die wichtigsten hier aufgeführt werden sollen, sowie zur Ausprägung teilweise anormaler Verhaltensmuster.


Verhaltensstörungen
Die Verhaltensforscher unterscheiden hauptsächlich drei Störungen, die im Alter verstärkt auftreten können.
Zunächst die Hyperaggressivität beim älteren Hund: Der Hund wird ohne offensichtlichen Grund immer aggressiver. Er beißt schnell zu, auch bei Kindern oder Welpen. Er entwickelt in 75% der Fälle einen regelrechten Heißhunger. Die Behandlung kann nur über Medikamente erfolgen, wenn auch Gehorsamsübungen und Agilitytraining sich als nützlich erwiesen haben.

Bei der Involutionsdepression verliert der Hund nach und nach all seine sozialen Kontakte, wird unsauber, gehorcht nicht mehr oder verschlingt alles, was ihm unter die Nase kommt (zusätzliche Gefahr des Verschluckens von Fremdkörpern); er leidet unter Schlafstörungen oder jault ohne Grund. Auch diese Störung lässt sich inzwischen mit Medikamenten behandeln, teilweise mit großem Erfolg.

Schließlich gibt es noch eine Erkrankung, die als Dysthymie beim älteren Hund bezeichnet wird. Dabei hat der Hund z.B. Schwierigkeiten, das Verhältnis zwischen seiner eigenen Breite und der Breite eines Durchgangs, durch den er gehen möchte, richtig einzuschätzen. Der dysthyme Hund neigt in diesem Fall dazu, sein Durchkommen erzwingen zu wollen und bleibt unter Umständen stundenlang knurrend und winselnd im zu engen Durchgang stecken. Es gibt gegenwärtig anscheinend nur ein Medikament, das bei dieser Störung gute Ergebnisse erzielt.


Herzerkrankungen
Beim älteren Hund spricht man häufig von Herzinsuffizienz; bei dieser Krankheit sind genau genommen die Herzklappen betroffen, manchmal ist auch der Herzmuskel erweitert.

Diese Gruppe von altersbedingten Erkrankungen äußert sich beim Hund durch Kurzatmigkeit, schweren Husten und im Endstadium durch eine Ansammlung von Dekompensationsödemen (häufig in der Lunge, je nach betroffener Herzregion). Wenn auch bei der Diagnose (durch Echokardiografie) und der Behandlung (mit so genannten ACE-Hemmern) in den letzten Jahren deutliche Fortschritte gemacht wurden, ist es für den Besitzer dennoch wichtig, sich so früh wie möglich darum zu kümmern.


Chronische Niereninsuffizienz
Die chronische Niereninsuffizienz lässt sich definieren als progressiver und irreversibler Verlust der Nierenfunktionen des Hundes: Ausscheidungsfunktion, Regulierungsfunktion und hormonelle Funktion. Diese Erkrankung zeigt sich erst dann, wenn bereits 75% der Nephronen (einzelne Funktionseinheiten, aus denen die Niere besteht) abgestorben sind. Die Niere hat zahlreiche Funktionen im Organismus, zu denen natürlich vor allem die Ausscheidung von Stoffwechselendprodukten über den Urin zählt; die klinischen Symptome dieser chronischen Erkrankung sind sehr unterschiedlich und reichen von der so genannten Polyurie/Polydipsie (der Hund trinkt und uriniert viel) über chronischen Durchfall, deutlichen Appetitverlust oder Demineralisierung der Knochen (Niere und Leber sind die beiden Organe, die das Vitamin D aktivieren) bis hin zur Anämie. Zu diesen sichtbaren Anzeichen kommen noch zahlreiche Veränderungen des Blutbildes, die in den nötigen Zusatzuntersuchungen festgestellt werden können (Harnstoff, Kreatinin, Proteine, Urogramm, Phosphate, Kalzium, Cholesterin).

Auch wenn bei älteren Hunden häufig eine chronische Niereninsuffizienz zu beobachten ist, kann die unvermeidliche Entwicklung bis zum Endstadium durch Früherkennung und nachhaltige Behandlung verlangsamt werden.

Aber auch bei der chronischen Niereninsuffizienz spielt die Diätetik eine wichtige Rolle und unterstützt die Wirksamkeit der medikamentösen Behandlung. So haben die Forschungen und Erfahrungen aus vielen Jahren gezeigt, dass eine gewisse Einschränkung der Proteinzufuhr (der optimale Proteingehalt des Futters läge bei 17-18% bezogen auf die Trockenmasse) bei gleichzeitiger Verwendung hochwertiger Proteinquellen (biologischer Wert) die klinischen Symptome abschwächt und den Harnstoffgehalt im Blut senkt. Die Einschränkung der Phosphorzufuhr ist jedoch die wichtigste diätetische Maßnahme zur Bekämpfung der Auswirkungen dieser Nierenerkrankung auf die Knochen (das Futter darf nicht mehr als 0,4% Phosphor enthalten). Auf eine leichte Verringerung des Natriumgehaltes im Futter und die Zugabe von Omega-3-Fettsäuren sollte ebenfalls geachtet werden; es ist daher leicht nachzuvollziehen, dass die Tierärzte Besitzern von Hunden mit chronischer Niereninsuffizienz zu fertigem Diätfutter raten, das speziell für die Behandlung dieser Krankheit konzipiert wurde.


Erkrankungen des Verdauungstraktes
Zahnstein und Parodontose. Mit zunehmendem Alter lagert sich auf den Zähnen des Hundes immer mehr Zahnstein ab, der die Entstehung von Entzündungen oder Infektionen des Zahnfleisches (Begleiterscheinung: Mundgeruch) und schließlich das Lockern der Zähne (Parodontose) begünstigt. Aber die Folgen dieser einfachen Erkrankung können für das Tier weitaus verheerender sein: Sie sind „Eingangspforten" für andere Krankheitskeime, die Lunge, Herz, Nieren oder Gelenke angreifen. Lange Zeit wurde das Industriefutter fälschlich für die Entstehung von Zahnstein verantwortlich gemacht; zahlreiche Studien konnten diesen Mythos in der letzten Zeit widerlegen und zeigten, dass Trockenfutter besser gegen Zahnbelag (Plaque) schützt als Nassfutter in Dosen. Die Bestandteile von weichem Futter sammeln sich eher am Zahnsaum, während Trockenfutter einen Abrieb- und Reinigungseffekt für die Zähne hat. Trockenfutter in Verbindung mit regelmäßigem Zähneputzen (beim Tierarzt gibt es inzwischen verschiedene Produkte zur Zahnpflege) bietet also einen guten Schutz vor diesem Problem. Auch bestimmte Leckereien zum Kauen (Ochsenschwanz, Kauknochen) können zu einer guten Mund- und Zahnhygiene beim Hund beitragen. Vorhandener Zahnstein entfernt der Tierarzt mit Ultraschall; häufig verordnet er auch noch spezielle Antibiotika.

Verstopfung. Die Verstopfung ist keine Erkrankung im eigentlichen Sinne, tritt aber beim älteren Hund durch die nachlassende Aktivität seiner Verdauungsorgane recht häufig auf. Das Problem lässt sich durch eine gut abgestimmte Ernährung, wie weiter oben beschrieben, vermeiden. Der Tierarzt kann zusätzlich Paraffinöl oder rektal zu verabreichende Abführmittel verordnen.


Andere Erkrankungen
Zahlreiche weitere Erkrankungen treten mit zunehmendem Alter des Hundes häufiger auf, von Augen- oder Hauterkrankungen bis zu gutartigen oder bösartigen Tumoren. Sie werden an anderer Stelle in diesem Buch behandelt; das dort Gesagte gilt ebenso für ältere Hunde.

Insgesamt ist zu sehen, dass der ältere Hund zusätzliche Fürsorge braucht, sowohl was die Prävention angeht (vor allem im Bereich der Ernährung und der Lebensqualität) als auch bei der Behandlung (Notwendigkeit regelmäßiger gründlicher geriatrischer Untersuchungen beim Tierarzt). Die Früherkennung bestimmter Krankheiten ist der Garant für ein längeres Hundeleben.
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