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Durchführung und Folgen des Tests

Durchführung und Folgen des Tests

Beitragvon Shiva » Fr 6. Jun 2008, 12:37

Der Begriff 'Wesenstest' ist nicht geschützt oder genormt. Aus der großen Vielfalt der so genannten Wesenstests und Verhaltenstests sticht der Wesenstest gemäß dem Niedersächsischen Hundegesetz (vormals Niedersächsische Gefahrtier-Verordnung, GefTVO) besonders hervor. Dieser Test, der von NETTO und PLANTA im Jahr 1997, also schon lange vor der sogenannten "Kampfhundediskussion" 2000 entwickelt wurde, wurde von Fachwissenschaftlern aufgrund ethologischer und tiermedizinischer Erkenntnisse weiterentwickelt.

Der niedersächsische Wesenstest (nds. WT) hat im Vergleich zu einfacheren Ebenbildern folgende qualitativen Merkmale:
- Durchführung durch einen Tierarzt mit vorgeschriebener Mindestdauer der Fortbildung in Hundeverhaltenslehre
- Vorabtest des Hundes auf Beruhigungsmittel und Krankheiten, welche das Verhalten beeinflussen könnten
- vollständige Dokumentation des gesamten Testablaufs auf Video
- alle Testaufgaben werden mindestens zweimal durchlaufen
- der prüfende Tierarzt richtet zu jeder Zeit seine ungeteilte Aufmerksamkeit auf einen zu prüfenden Hund
- gerichtsverwertbare schriftliche Dokumentation jeder Teststation mit detaillierten Angaben zum Ausdrucksverhalten des Tieres
- standardisierter Testablauf ohne Möglichkeit der willkürlichen Hinzufügung oder des Auslassens von Testsituationen
- Punktesystem zur wissenschaftlichen Auswertung der Ergebnisse

Zur Durchführung des niedersächsischen Wesenstests sind bestimmte Tierärzte von der niedersächsischen Landesregierung bevollmächtigt. Die Zulassung kann widerrufen werden, wenn die Kontrolle Beanstandungen bei der Durchführung ergibt. Zu Kontrollzwecken können die Videoaufnahmen und die zugehörigen Verhaltensgutachten von einer Kontrollinstanz geprüft werden.

Die meisten Wesenstests in Niedersachsen wurden von der Tierärtztlichen Hochschule Hannover durchgeführt. Die Durchführung dauert einen Tag und kostet dort 400 € einschließlich Ausfertigung des Gutachtens, das typischerweise 7–8 Seiten umfasst.

In anderen Bundesländern wird der Test oft als standardisierter Kurztest und Inaugenscheinnahme des Hundes durch einen verhaltensbiologisch versierten Beauftragten des örtlichen Ordnungsamts vorgenommen. Verordnungen, Tests und die Folgen für Halter und Tier, wenn der Hund den Test nicht besteht, variieren dabei von Bundesland zu Bundesland. Die Sanktionen können letztlich bis hin zur Beschlagnahme des Hundes führen.

In verschiedenen Hundezuchtverbänden werden für dem Verband angeschlossene Züchter Veranstaltungen durchgeführt, auf denen Zuchthunde von beauftragten Mitgliedern begutachtet werden. Dieser Vorgang wird auch Wesenstest genannt. Im Unterschied zum nds. WT fehlen hier wesentliche Elemente, wie die Tierarzteigenschaft des Prüfers, die Bedrohungssituationen und die Videoaufzeichnung. Es werden statt dessen teils rassespezifische oder einsatztypische Veranlagungen mit bewertet, wie z.B. Spürtrieb oder Schussfestigkeit. Das Gutachten umfasst oft nur eine Seite und hat außerhalb des Vereins keine Funktion.
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