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Künstliche Besamung

Künstliche Besamung

Beitragvon Shiva » So 13. Jul 2008, 18:58

Als künstliche Besamung wird jede Technik bezeichnet, die der Befruchtung dient und ohne menschliche Hilfe nicht möglich gewesen wäre. So ist auch die einfache Entnahme des Samens beim Rüden und dessen sofortige Einführung in den Genitaltrakt der Hündin, häufig als „assistierter Deckakt" bezeichnet, eine künstliche Besamungstechnik mit so genanntem „Frischsperma".


Besamung mit Frischsperma
Diese Technik wird angewendet, wenn es zwischen den Zuchttieren nicht zu einer natürlichen Verpaarung kommt. Die Gründe dafür können sein:

- charakterliche Unverträglichkeit,

- Unerfahrenheit eines oder beider Tiere,

- zu enger Genitaltrakt bei der Hündin (Scheidenatresie, Missbildungen der Vulva oder der Vagina, Scheidenvorfall unter Östrogeneinfluss während der Läufigkeit usw.),

- Schmerzen eines der Tiere beim Deckakt (an Wirbelsäule, Hinterläufen, Penisknochen oder Vagina),

- ungenügende Libido.

Nachdem überprüft wurde, ob sich die Hündin tatsächlich in einer empfangsbereiten Phase befindet, gewinnt der Tierarzt das Sperma des Zuchtrüden in Gegenwart einer läufigen Hündin (dabei muss es sich nicht um die zu deckende Hündin handeln). Die fraktionierte Samengewinnung erfolgt auf folgende Weise:

- Äußerliche Reinigung des Genitals

- Stimulation des im Präputium liegenden Penis durch Massage bis dieser teileregiert ist. In dieser Phase wird das Vorsekret abgesondert.

- Es wird weiter stimuliert bis spontane Beckenschübe beobachtet werden. Jetzt folgt die Abgabe der spermienreichen und anschließend spermienarmen Phase.

- Durch Fixation hinter den Schwellkörpern wird die Erektion während aller drei Phasen der Ejakulation aufrecht erhalten.

- Während des Hängens wird das sogenannte Nachsekret abgegeben (Prostatasekret, das zur Volumenauffüllung und damit zum Vorspülen der Spermien bis in den Uterus dient).

- Für die Besamung werden nur die spermienarme, sowie – reiche Phase verwandt. Allerdings ist es für die Abläufe der nachfolgenden natürlichen Deckakte des Rüden empfehlenswert die gesamte Reflexkette inklusive des Hängens nachzuahmen.

Nach erfolgreicher Spermagewinnung wird dieses auf dem Heiztisch eines Mikroskops untersucht; dabei wird Anzahl, Aussehen und Beweglichkeit der Samenzellen festgestellt. Wenn er mit der Qualität zufrieden ist, verbringt der besamende Tierarzt das Sperma mithilfe einer Sonde in die Vagina oder in den Uterus der Hündin ein. Die Hinterläufe der Hündin müssen nach vaginaler Besamung anschließend etwa zehn Minuten lang angehoben werden, um die Fortbewegung der Samenzellen zu begünstigen und deren Rückfluss einzuschränken.

Aus demselben Grund wird empfohlen, die Hündin in diesem Zeitraum möglichst nicht urinieren zu lassen. Angemerkt werden sollte noch, dass bei allen Phasen der Besamung die Samenzellen vor thermalen, mechanischen und chemischen Schocks geschützt werden müssen. Wenn diese Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden, sollte die künstliche Besamung mit Frischsperma zu einer ebenso hohen Befruchtungsrate führen wie die natürliche Paarung (etwa 80%).


Besamung mit flüssigkeitskonserviertem Samen
Die Besamung mit flüssigkeitskonserviertem Samen wird hauptsächlich eingesetzt, um große Entfernungen zwischen den Zuchttieren zu überbrücken und dem Besitzer der Hündin die Kosten einer langen Anreise und der Unterbringung beim Halter des Rüden zu ersparen. Ein zugelassener Tierarzt entnimmt dazu das Sperma des Zuchtrüden, kontrolliert seine Qualität und kühlt anschließend die spermienreiche Phase nach vorheriger Verdünnung durch eine Schutz- und Nährflüssigkeit auf 4 °C herunter. Dann wird das Sperma in einem Kälteschutz (Thermosflasche) per Kurier zum Tierarzt geschickt, der nach Kontrolle des Konservierungszustandes des Spermas sowie der Empfängnisbereitschaft der Hündin die Besamung vornimmt. Alle diese Vorgänge müssen in den 48 Stunden nach der Samengewinnung durchgeführt werden; eine perfekte Abstimmung aller Beteiligten ist daher unumgänglich (Verfügbarkeit des Rüden, Ausrüstung und Fachwissen der Tierärzte, genaue Überwachung der Läufigkeit der Hündin, schneller Transport). Diese Technik kommt daher vor allem für Zuchttiere in Frage, die in mittlerer Entfernung voneinander leben (im selben Land bzw. im europäischen Ausland).

Die Ergebnisse lassen sich mit denen der natürlichen Paarung vergleichen, obwohl durch die aufeinander folgenden Behandlungsschritte des Spermas die Vitalität der Samenzellen etwas beeinträchtigt werden kann.


Besamung mit Tiefgefriersamen
Das Sperma wird wie bei den anderen Techniken entnommen. Anschließend werden Qualität und Anzahl der Samenzellen genauestens überprüft; Sperma mit einem Gehalt von weniger als 150 Millionen beweglicher Samenzellen oder mehr als 30% anormaler Spermien sollte nicht eingefroren werden.

Anschließend wird das Sperma mit einer Kälteschutzflüssigkeit verdünnt, in gekennzeichnete Kapseln gefüllt und in einem Behälter mit flüssigem Stickstoff bei -196 °C für eine unbegrenzte Dauer eingefroren. Im Studienzentrum für künstliche Vermehrung (CERCA) des Veterinärinstituts von Alfort lagern Kapseln, die vor mehr als 16 Jahren eingefroren wurden!

Diese Kapseln dürfen nur mit Zustimmung des Eigentümers des Zuchtrüden verwendet werden, der nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage mit dem Besitzer der Zuchthündin einen Preis aushandeln kann. Bei solchen Transaktionen spielt die Samenbank also nur die Rolle eines Dienstleisters.

Hundesperma kann gegenwärtig nur in zugelassenen Einrichtungen tiefgefroren werden; Besamungen dürfen jedoch von allen entsprechend ausgebildeten Tierärzten durchgeführt werden. Das Sperma wird ihnen in Spezialbehältern zugeschickt, damit sie nach dem Auftauen die Besamung im geeigneten Moment durchführen können.

Das Sperma sollte in dem Lebensabschnitt entnommen werden, in dem sich der Rüde in der besten Verfassung befindet, nicht erst im Alter, wenn er zu erkranken droht oder vor einer therapeutischen Kastration. Für diese Technik gibt es zahreiche zootechnische Indikationen:

- Sie ermöglicht den genetischen Austausch zwischen zwei Ländern, die durch Quarantänebestimmungen oder durch große Entfernung voneinander getrennt sind.

- Mithilfe dieser Technik bleibt das Genmaterial eines wertvollen Zuchtrüden unbegrenzt verfügbar und kann auch dann eingesetzt werden, wenn der Rüde nicht zur Verfügung steht oder bereits gestorben ist.

- Sie ermöglicht den Rückgriff auf älteres Genmaterial, wenn die Zuchtauswahl bei einem Züchterverein in eine genetische Sackgasse geführt hat. Die heutigen überzüchteten, allzu kurzschnäuzigen Bulldogen könnten z. B. von einer Auffrischung ihrer Linie mit dem Sperma weniger kurzschädeliger Rüden der Vergangenheit profitieren, da auf diese Weise die Anzahl der Dystokien verringert werden kann.

- Schließlich können durch diese Technik bestimmte Rassen vor dem Aussterben geschützt und Rassen mit geringem Bestand rekombiniert werden.

Die künstliche Besamung unterliegt in Deutschland bei den einzelnen Zuchtverbänden unterschiedlichen Bestimmungen und ist zum Teil untersagt.
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